Ihre Titelsammlung ist einmalig. Weltmeisterin 2003 und 2007, mehrfache Europameisterin (1995, 1997, 2001, 2005), Bronzemedaillen-Gewinnerin bei zwei Olympischen Spielen (2000, 2004), UEFA-Pokal-Siegerin 2002 und 2006 mit dem 1. FFC Frankfurt, US-Meisterin 2002 mit Carolina Courage sowie ein gutes Dutzend nationale Meisterschaften und DFB-Pokal-Siege. Alles persönliche Highlights, die mit der fünffachen Auszeichnung als Weltfußballerin des Jahres (2003, 2004, 2005) noch einmal zusätzlich Anerkennung fanden.
Birgit Prinz, die Ausnahme-Stürmerin des 1. FFC Frankfurt, könnte mit den Erfolgen kokettieren, sich im Glanz sonnen, den Weltstar mimen. Will sie aber nicht, denn derlei Attitüden gehören nicht zum Charakter der 30-Jährigen. "Ich bin nur Teil einer Mannschaft, ohne meine Mitspielerinnen im Verein oder der Nationalmannschaft wäre ich nichts", sagt sie mit bestimmender Bescheidenheit. Punkt.
Im Scheinwerferlicht und Blitzlichtgewitter zu stehen war für Birgit Prinz ein Lernprozess. Ihre Abendgarderobe trug sie bei der Ehrung zur Weltfußballerin 2005 im Zürcher Opernhaus wieder einmal mit Fassung, denn "in kurzen Hosen und auf dem grünen Rasen fühle ich mich wohler". Doch beim dritten Mal fiel es leichter, sie kennt die Umgebung, das Procedere, die Menschen. Für eine durch und durch Bodenständige wie Birgit Prinz ein unschätzbarer Vorteil. Sie lächelt, sie parliert gekonnt in Englisch, ist charmant und voller Weiblichkeit. Doch die Zurückhaltung bleibt. Sie weiß, was sie kann, was sie geleistet hat, doch das Teamerlebnis und -ergebnis steht für die stets bescheiden auftretende Nationalmannschaftskapitänin immer vor der eigenen Person.
Die Wertschätzung ihrer fußballerischen und menschlichen Qualitäten reicht rund um den Globus. Sie ist das Aushängeschild und die Identifikationsfigur des deutschen aber auch des Welt-Frauenfußballs. Ihre Art, das Spiel mit dem runden Plastik zu zelebrieren, nötigt den Trainerinnen und Trainern sowie den Spielführerinnen der Konkurrenz Respekt ab. Ihr Votum auch bei ihrer dritten Wahl zur Weltfußballerin war überwältigend und verdient. Tore pflastern ihre eindrucksvolle Karriere, ihre Dynamik, ihre Athletik, ihr läuferisches Vermögen lassen Gegnerinnen respektvoll verzweifeln. Neben ihrem unbändigen Engagement, Tore zu erzielen, hat Birgit Prinz in den letzten Jahren aber auch den Blick für ihre Teamkolleginnen geschärft und garniert ihr Spiel immer öfter auch mit mustergültiger Vorarbeit. Der Erfolg der Mannschaft steht klar im Vordergrund.
Auch neben ihren Aktivitäten auf dem grünen Rasen denkt Weltfußballerin Birgit Prinz an ihre weitere berufliche Zukunft. Wenn es ihre Zeit zulässt, arbeitet sie zumindest einige Wochenstunden in ihrem Beruf als Physiotherapeutin. Zusätzlich beschäftigt sie sich intensiv mit ihrem Psychologie-Studium. "Wenn man sich zu stark auf den Fußball fokussiert, verliert man den Spaß", nennt Birgit Prinz als Grund für den geistigen Nebenjob.
Ihre Bodenständigkeit ist für ihren Verein 1. FFC Frankfurt unbezahlbar. So ist es für sie eine Selbstverständlichkeit, sich auch in der clubeigenen Fußballschule des Deutschen Meisters im Rahmen der Nachwuchsarbeit zu engagieren. Hinzu kommen viele Medien- und Werbetermine. Genauso arbeitet sie als Testimonial und Werbepartnerin für verschiedene Unternehmen und organisiert gemeinsam mit FFC-Manager Siegfried Dietrich ihre wirtschaftlichen Voraussetzungen für ihr derzeitiges Leben als Fußballprofi.
Birgit Prinz schaut bei aller Verbundenheit mit ihrer hessischen Heimat über den Tellerrand. Kein Zögern gab es, als die Afghanistan-Hilfe Paderborn sie als Schirmherrin des "LEARN & play"-Projektes für Straßenkinder gewinnen wollte. Vor Ort in Kabul machte sich Birgit Prinz an der Seite des Fußballtrainers und früheren Fernsehmoderators Holger Obermann ein eigenes Bild von den Schwierigkeiten, die Mädchen und Frauen haben, am gesellschaftlichen Leben, zu dem auch Fußball gehört, teilzuhaben. Birgit Prinz unterstützt aber auch die Anti-Rassismus-Kampagnen der FIFA und zählt dort neben Thierry Henry, Bobby Charlton, Sven-Göran Eriksson, Abedi Pelé, Giacinto Facchetti, Michel Platini, Mia Hamm, Hong Myung-Bo, Wynton Rufer, Charmaine Hooper, Dragan Stojkovic, Jürgen Klinsmann, David Suazo und Pelé zu den Anti-Rassismus-Botschaftern des Fußball-Weltverbandes.
Zum Kennenlernen der weiten Welt taugte neben vielen Nationalmannschaftreisen der Ausflug in die nicht mehr existierende amerikanische Profi-Liga WUSA. Aus dem Abstiegskandidaten Carolina Courage machte sie den US-Titelgewinner und konnte ihre Englischkenntnisse optimieren.
In Maintal-Dörnigheim bei Frankfurt am Main fand Birgit Prinz zum Fußball. Ihr erster Trainer war Vater Stefan und natürlich kickte sie bei den Jungen mit. "Ich war nicht besser als die, aber auch nicht schlechter", erinnert sich die Torjägerin. Im Alter von 15 Jahren feierte sie bereits ihren Einstand in der Bundesliga beim FSV Frankfurt. Nur ein Jahr später schon stand die 1,79 Meter lange, athletisch gebaute Fußballerin zum ersten Mal in der Nationalmannschaft und krönte ihr Debüt beim 2:1 gegen Kanada mit dem Siegtor. 115 Treffer und 172 Länderspiele folgten in 14 Jahren, Ende offen.
Mit ihrem Club 1. FFC Frankfurt (seit 1998) jagt sie in der Saison 2007/2008 dem möglichen "Triple" (Meisterschaft, DFB-Pokal und UEFA-Cup) entgegen, mit der Nationalmannschaft möchte sie bei den Olympischen Spielen in Peking die Goldmedaille gewinnen. Der Olympiasieg fehlt schließlich noch in der reichen Sammlung von Birgit Prinz und wäre die Krönung der einzigartigen Karriere, die hoffentlich noch lange währt.
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